Bei einer Bürgerversammlung in Borgarnes, die live gestreamt wurde, informierten am Mittwoch Fachleute über die anhaltende seismische Aktivität im Ljósufjöll-Vulkansystem. Nach Einschätzung von Vulkanologen deutet vieles darauf hin, dass sich Magma an der Basis der Erdkruste ansammelt – auch wenn bislang keine Landhebung gemessen wurde.
Ásta Rut Hjartardóttir, Vulkanologin beim isländischen Wetterdienst, erklärte, dass die seismiscche Aktivität ausschließlich im Bereich von Grjótárvatn aufträten und bisher nicht im Ljósufjöll selbst. Zwar hätten GPS- und Satellitendaten in den letzten Jahren keine Oberflächenverformungen gezeigt, doch schließe dies eine Magmaansammlung in großen Tiefen nicht aus.
Die Aktivität begann im Mai 2021, verstärkte sich im Herbst 2024 deutlich und ist seither relativ stabil. Die Erdbeben liegen in 15 bis 20 Kilometern Tiefe und haben sich nicht weiter verlagert. Laut Ásta hängt die scheinbare Zunahme der Aktivität seit 2024 auch damit zusammen, dass zwei neue Seismometer – (Anm. d. Redaktion: einer in Hitardalur, der andere in Hraunholt) – installiert wurden, die kleinere Erschütterungen erfassen.
Als wahrscheinlichste Ursache für die Beben gilt die Ansammlung von Magma in der Erdkruste. Sollte sie groß genug werden, könnte dies in Zukunft zu einer messbaren Landhebung führen.
Drei Szenarien für die weitere Entwicklung
Geophysiker Páll Einarsson stellte den Anwohnern drei mögliche Entwicklungen vor:
- Magmazufluss stoppt: Die Intrusion erkaltet, es bleibt bei Erdbeben – teils über Magnitude 3 – und anhaltenden Schwärmen.
- Zunehmende seismische Aktivität: Die Beben verlagern sich in flachere Bereiche, begleitet von stärkerer geothermischer Aktivität und der Gefahr von Erdrutschen.
- Ausbruch: Magma erreicht die Oberfläche. Folgen wären Lavaströme, Gasemissionen und kleinere Explosionen durch den Kontakt mit Wasser. Einarsson betonte, dass Ausbrüche in diesem Gebiet meist nicht großflächig seien.
Ob und wann es tatsächlich zu einem Ausbruch kommt, bleibt jedoch ungewiss. „Es könnte sein, dass die Aktivität plötzlich endet – oder noch viele Jahre anhält, bevor ein Ausbruch möglich ist“, so Einarsson.
Titelbild: Vulkankrater in der Nähe des Hitarvatn im Ljósufjöll-Vulkansystem / Mirjam Lassak

