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    Gletscherlauf am Mýrdalsjökull im Süden Islands

    Erhöhte Wasserstände und Schwefelgeruch

    Der Wasserstand und die elektrische Leitfähigkeit in Leirá syðri und Skálm sind in den letzten Tagen deutlich gestiegen. Messstationen vor dem Sandfellsjökull sowie an der Brücke der Ringstraße über den Skálm zeigen eine fortlaufende Zunahme. Zusätzlich wurden vom isländischen Wetterdienst Meldungen über Schwefelgeruch in der Nähe der Flussquelle registriert – ein mögliches Anzeichen für geothermisch verursachte Gasemissionen.

    Die betroffene Region liegt im Abflussgebiet des Mýrdalsjökull, unter dessen Eiskappe sich geothermisch aktive Calderas befinden. Der Wetterdienst warnt deshalb zur Vorsicht in Flussnähe, da Gasverschmutzungen nicht ausgeschlossen werden können.

    „Solche Strömungen sind bekannt, etwa aus der Múlakvísl oder Fremri-Emstruá“, erklärt Bergur Einarsson, Leiter der hydrologischen Forschung beim Wetterdienst. Auch Leirá sei in der Vergangenheit mehrfach von kleineren und größeren Gletscherläufen betroffen gewesen – unter anderem zwischen 1995 und 2000 sowie 2012. Die Hochwasser führten damals zu Umverlagerungen im Flussbett, ohne jedoch Schäden zu verursachen.

    Besonders kritisch war das plötzliche Hochwasser Ende Juli 2024, das die Ringstraße überflutete und teils zerstörte. Es ging auf zwei Calderas südlich von Austmannsbunga zurück, in denen sich durch geothermische Aktivität größere Wassermengen unter dem Eis gebildet hatten. Seitdem kam es zu vier kleineren, aber schadlosen Flutereignissen – zuletzt im Dezember 2024.

    Einarsson warnt vor möglichen Szenarien: „Sollte es durch Druckentlastung erneut zu einem Ausbruch aus den unterirdischen Wasserspeichern kommen, könnte ein noch größeres Hochwasser ausgelöst werden. Radiomessungen deuten bereits auf beträchtliche Wasseransammlungen an der Gletscherbasis hin.“

    Derzeit geht der Wetterdienst von keiner akuten Gefahr für die Infrastruktur aus. Zwar sei die Ringstraße im Vorjahr bei einem plötzlichen Hochwasser überflutet und beschädigt worden, doch aktuell bestehe nur ein geringes Risiko, betont die Expertin.

    Neue Technik im Einsatz

    Um solche Ereignisse besser überwachen zu können, wurde am 14. November 2024 eine moderne Hochwasserüberwachungsstation in Leirá syðri installiert. Sie liefert kontinuierliche Daten über Wasserstand und Leitfähigkeit – wichtige Indikatoren für geothermisch bedingte Gletscherfluten.

    Hintergrund: Wiederkehrende Flutereignisse unter dem Mýrdalsjökull

    Solche Gletscherläufe, ausgelöst durch geothermische Hitze unter dem Eis, sind in der Region keine Seltenheit. Neben der Múlakvísl und Fremri-Emstruá sind insbesondere Leirá syðri und Skálm bekannt für Hochwasser infolge unterirdischer Wasseransammlungen.

    Zwischen 1995 und 2000 kam es fast jährlich zu kleineren Fluten. Im Juli 2024 verursachte ein plötzlicher Gletscherlauf große Schäden an der Ringstraße, ausgelöst durch das Schmelzen von Eis in zwei Calderas südlich von Austmannsbunga. Seither gab es vier weitere kleinere Flutereignisse, zuletzt im Dezember 2024.

    Hinweis für Reisende:
    In der Nähe von Gletscherflüssen und deren Quellgebieten ist besondere Vorsicht geboten. Es kann jederzeit zu raschen Veränderungen im Wasserstand oder zu gesundheitsschädlicher Gasfreisetzung kommen. Der isländische Wetterdienst beobachtet die Situation rund um die Uhr und wird bei Entwicklungen weitere Informationen bereitstellen.

    Titeltbild Beispielhaft Markarfljót aus der Sammlung/ Mirjam Lassak

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